Beim Aufräumen des Clubheims unseres Ortsvereins N52 Vlotho ist mir kürzlich ein altes Informationsblatt in die Hände gefallen. Es beschreibt die Funkübertragungsstelle Minden am Jakobsberg – vielen besser bekannt als der Fernsehturm Porta.
Ich hatte schon einmal gehört, dass es in den 1980er-Jahren wohl eine Führung für unseren Ortsverein gegeben haben soll. Sehr wahrscheinlich stammt genau dieses Blatt aus dieser Zeit. Unten ist sogar vermerkt: Stand 1985.
Allein das macht das Dokument schon interessant – aber der eigentliche Reiz steckt im Inhalt.

Der Fernsehturm Porta – mehr als nur Fernsehen
Der Turm auf dem Jakobsberg war kein reiner Fernsehsender, sondern ein zentraler Fernmeldeknoten der damaligen Deutschen Bundespost. Neben der Ausstrahlung von WDR, ZDF und NDR spielte vor allem der Richtfunk eine entscheidende Rolle.
Für mich als Funkamateur ist das ein schönes Beispiel dafür, wie leistungsfähig Funktechnik schon vor 40 Jahren war – lange bevor Glasfaser flächendeckend verfügbar war.
FuFeD: Fünf gleichzeitige Mobilfunkgespräche
Ein Punkt hat mich beim Lesen schmunzeln lassen:
„Für den Funkfernsprechdienst (FuFeD) sind Geräte für 5 Sprechverbindungen installiert.“
Fünf.
Nicht pro Zelle. Nicht pro Sektor.
Sondern insgesamt.
Heute wirkt das fast absurd, aber damals war das völlig normal. Der Funkfernsprechdienst war analog, jede Verbindung belegte einen eigenen Kanal, und Frequenzen waren knapp. Dass man von unterwegs überhaupt telefonieren konnte, war bereits ein technologischer Luxus – auch wenn nach fünf Gesprächen Schluss war.
Wenn man das mit heutigen Mobilfunknetzen vergleicht, wird erst richtig deutlich, welche Entwicklung wir erlebt haben.
Richtfunk mit 2×8 Mbit und 34 Mbit – beeindruckend für die Zeit
Richtig spannend wird es bei den angegebenen Richtfunkstrecken:
- Minden ↔ Stadthagen / Lübbecke
- digitale Richtfunkstrecken
- 2 × 8 Mbit/s
- Frequenzbereich 15 GHz
- entspricht bis zu 240 Fernsprechkanälen
- Hannover ↔ Bielefeld
- digitale Richtfunk-Grundleitung
- 34 Mbit/s
- entspricht 480 Fernsprechkanälen
- Nutzung für das Integrierte Datennetz (IDN/IIN)
Gerade die 34 Mbit/s haben mich überrascht. Das war in den 1980ern absolute Oberklasse und entsprach dem, was man damals als Backbone-Anbindung kannte. Viele Universitäten oder Rechenzentren hatten selbst in den 1990ern deutlich weniger Außenanbindung.
Dass solche Datenraten zuverlässig über Richtfunk realisiert wurden, zeigt, welchen Stellenwert diese Technik hatte – und wie strategisch wichtig Standorte wie der Jakobsberg waren.

Technik, Redundanz und Weitblick
Auch an Ausfallsicherheit wurde gedacht:
- 75-kVA-Dieselgenerator
- automatische Notstromversorgung
- unterbrechungsfreier Weiterbetrieb bei Netzausfall
Das unterstreicht, dass es sich hier nicht um irgendeinen Sendemast handelte, sondern um einen kritischen Infrastrukturstandort.
Ein Stück Fernmelde- und Funkgeschichte
Für mich ist dieses Informationsblatt ein schönes Zeitdokument. Es zeigt:
- wie leistungsfähig Funktechnik schon vor Jahrzehnten war
- wie sich Anforderungen und Dimensionen verändert haben
- und wie wichtig exponierte Standorte wie der Fernsehturm Porta für das gesamte Netz waren
Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Funkamateur aus der Region noch an die damalige Führung oder an eigene Berührungspunkte mit der Anlage. Für mich war dieser Fund jedenfalls eine kleine Reise zurück in eine Zeit, in der 5 Mobilfunkgespräche, 34 Mbit/s und Richtfunk absolute Spitzentechnik waren.